Aktuelles zur Klimaforschung weltweit
#443
In diesem Sommer stand es schlecht um das arktische Meereis. Trotz eines eher eisfreundlichen Sommers zollte die Arktis dem letzten Winter und der El Nino Wärme Tribut. Das 2.-schlechteste Eisjahr seit wohl Jahrhunderten stand an. Das heurige Jahr hat sich zwischen 2007 und 2012 gesetzt.

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Dabei stellte sich das arktische Wetter im Spätsommer von eisfreundlich aus eisfeindlich um und blieb dies seither. Wiederholt wird vom Pazifik und vom Atlantik her die Kaltluft gespalten, das Meereis sowohl durch diese WLA, als auch durch Warmwasserströmungen, die dem Wind folgen, bedrängt.

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https://seaice.uni-bremen.de/amsr2/index.html


Es gab Minima die lagen höher als der aktuelle Eisstand, Anfang November...
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Minus 10°C klingen im Flächenmittel ja nach Winter, aber über dem Ozean ist dies viel zu mild, da gefriert kaum mal Eis.
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Nördlich von 80° Breite sind das absurde Temperaturen!

Doch was geschieht mit der verdrängten Kaltluft?

Einen Hinweis ergibt der Schneezustand der Nordhemisphäre. Im Gegensatz zum Eis gibt es ziemlich reichlich Schneebedeckung.

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Das verhindert zwar Gefrieren des Permafrosts, der nicht mehr so ausdauernd ist, wie sein Name vermuten ließe, erlaubt aber das Ausbilden von winterlicher Kaltluft.

http://www.karstenhaustein.com/climate
Diese Seite ist zu empfehlen, gitb sie dch die aktuelle Temperaturverteilung in Relation zum langjährigen Mittel global und regional wieder, auch Rückschau und Prognose werden abgebildet.

"Waccy" bedeutet als Wort im Englischen so viel wie verrückt. Als Abkürzung bezeichnet es eine warme Arktis bei kalten Kontinenten, also einen eher ungewöhnlichen Zustand.

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Dieser Zustand, der in Europa auch "waccy" Wetter nach sich ziehen kann, ist heuer stark ausgeprägt.

Aufgrund der warmen Arktis gibt es wenige bis keine Atlantischen Herbststürme, die Kontinente kühlen ab, Sibirien von der verdrängten arktischen Kaltluft geflutet und eingeschneit zuallererst.

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[/img]Dabei wird Amerika in den nächsten Tagen gut erwärmt, die Kälte bleibt in Sibirien, die Arktis bleibt warm. Dies steigert die Chancen, dass sich keine Westlage einstellen kann, und somit besteht diesen Winter die Möglichkeit eines sibririschen Lüfterls. Allerdings ist nichts gesichert, eine zu starke Tiefdruckentwicklung am Pazifik kann das sibirische Kältepotential entleeren, und zugleich Westamrika vom Pazifik her gut und nachhaltig erwärmen. Dann kühlt der Osten ab, und diese Kälte bewirkt die Bildung Atlantischer Sturmtiefs samt Westwetterwärme.

Ein durchgehend kalter Winter ist damit nicht wahrscheinlich, aber 1-2 recht kalte und schneereiche Monate möglich.
Werner, Patrick, david.gepart findet das super
#445
Während hierzulande NOCH nicht viel von Winter zu sehen ist, der Wettercharakter ist spätherbstlich, könnte sich dies zum Dezember hin ändern.

Wie anhand der Graophiken des obigen Posts zu sehen ist, hat sich die WACCy Situation verschärft. Ein Temperaturdurchschnitt von -5°C über die Fläche nördlich des 80. Breitengrades ist Mitte November eine Hausnummer und schlägt alle bisherigen Rekorde. Für das Meereis ist diese Situation der Wintersupergau. Es friert wenig, dafür schneit es eine isolierende Schneedecke drauf, die Wärme bringt auch Feuchtigkeit mit sich. Außerdem blockiert diese gesuchte Luftmasse die Abkühlung durch Abstrahlung ins Weltall. Dies wird uns im kommenden Sommer beschäftigen!

Nun beschäftigt uns aber die Frage, was diese ungewöhnliche Entwicklung für Europa bedeutet.
Extrem kalte Luft über Sibirien, warme Luft über der Arktis und Amerika. Die atlantischen Tiefdrucksysteme werden nicht durch die üblichen Temperaturgegensätze zwischen Nordost und Südwest befeuert. Umgekehrt hingegen ist damit zu rechnen, dass sich die kalte Luftmasse wie ein Palatschinkenteig auseinander bewegt. Dabei sorgt die Corioliskraft für Ablenkung der Südwärts strömenden Kälte nach Westen.

Noch ist die weitere Entwicklung nicht gänzlich gesichert, zuletzt wurde angedeutet, die Kälte könnte - angeschoben von einer Warmfront aus der Arktis (mitten im arktischen Winter!!!) aus Sibirien direkt nach Süden gedrängt, und der Nahe Osten würde einen heftigen Wintereinbruch erleben. Dabei bliebe keine Kaltluft über Sibirien liegen, und Winter in Europa wäre ferne Zukunft. In anderen Wetterkarten wurde angedeutet, die Kaltluft könnte in Richtung Pazifik abfließen, und dabei das globale Westwindband befeuern.
Nur einen Tag später sieht alles anders aus: Die Arktische Wärme bleibt eben dort, und breitet sich nur nach Ostsibirien hin aus, wobei die Kaltluft nicht nach Japan strömt, sondern nach Westsüdwesten, die ganze Kaltluftmasse würde sich einen Ruck in Richtung Europa bewegen.

Dies macht noch keinen Winter, nähert aber die Möglichkeit, die Kaltluft bei einem abgeschnürten Mittelmeertief anzuzapfen, bzw. die Möglichkeit, dass die Kälte sich einfach schleichend über Europa schiebt - und liegt sie erst hier dann wird sie von Tiefdruckgebieten umkreist, ein kleiner Polarwirbel über Europa. Dies bringt viel Schnee und zeitweise große Kälte. Zuletzt trat diese Entwicklung in den 3 Wintern 2009/10, 1020/11 und 2011/12 auf. Insbesondere der kalte und schneereiche Dezember 2009 sticht hervor. Und die unglaubliche Ähnlichkeit des November 2009 mit der aktuellen Situation:

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Sollte man heuer auf weiße Weihnachten wetten?